Feste feiern wie sie fallen.

24. Dezember 2015 1 Kommentar

Ich spotte am Telefon: „Ihr Juden feiert also jetzt Weihnachten!“ Die Freundin schluckt so laut, dass das Geräusch seinen Weg über den Funkmasten in meinen Telefonhörer schafft. Wir kennen uns seit seit sehr vielen Jahren. Sie wittert an jeder Ecke Antisemitismus und hat bei mir gelernt, besser zuerst leer zu schlucken und dann zu lauschen was ich zu sagen habe.

Ich bin nämlich ehrlich verwundert und frage: „Was ist mit Chanukka, da könnt Ihr ja auch Geschenklein machen. Und Kerzlein anzünden könnt Ihr da doch auch!“ So erfahre ich dann, dass dieses Jahr Chanukka schon seit ein paar Wochen vorbei ist und leider konnte man die Familie erst für heute zusammentrommeln. Die Freundin aus langen Jahren fliegt lädiert aus New York City ein, die Mutter aus Tel Aviv, der Ex-Lebensabschnittspartner, der Goj, ist so einsam in Hamburg und kommt mit dem Zug. Also feiert man halt heute, weil es grad eine gute Gelegenheit ist.

„Das kommt von den Heiden. Schon die litten unter den kurzen Tagen und brauchten etwas Licht in dieser Zeit.“

Somit habe ich als geborener Atheist auch die Antwort auf die Frage bekommen, die unsere liebste Boulevardzeitung vor ein paar Tagen stellte: „Warum glauben Menschen?“ Blick meint, „weil wir können“. Ich widerspreche: „Weil die bedürftigen, die unsicheren und die unselbständigen es nötig haben.“

Behindertengleichstellung an der ETH Zürich.

Zu meiner Anmeldung als Gaststudent hat das Rektorat der ETH Fragen. Der ganz allererste Satz handelt schon vom Nachteilsausgleich und ob mir solche Massnahmen an der Uni Bern gewährt wurden. Dann werde ich auf die normalen gesetzlichen Grundlagen hingewiesen, dass man bei den Prüfungsmodalitäten, nicht aber beim fachlichen Können Anpassungen vornimmt.

Behindertengleichstellung ist in der Schweiz ein Verfassungsrecht. Die Schule muss von sich aus tätig werden und für die Gleichstellung sorgen. Es ist ihre Pflicht, mich auf die Möglichkeiten aufmerksam zu machen und mich zu fragen, was ich brauche. Dieses Vorgehen der ETH ist vorbildlich.

Welch ein himmelweiter Unterschied ist das zu den Missständen an der Uni Bern! Dort wurde ich als erstes einmal aus der pflanzenökologischen Alpenexkursion hinausgemobbt. Das Wissen um meine Behinderung wurde gezielt ausgenutzt, um mich über Tagesabläufe, Marschzeiten, Unterkunft zu belügen und die Teilnahme zu verunmöglichen. Mühselig musste ich mich auf die Suche nach dem notwendigen Fachwissen machen, bis ich schliesslich bei „égalité handicap“ eine spezialisierte Juristin fand, die mir erklärte, welches meine Rechte sind. Der Prozess gegen die phil-nat Fakultät der Uni Bern dauerte fast drei Jahre bis die Gleichstellung von der Rekurskommission geregelt wurde. Ich habe bis heute keine Ahnung, ob die bei der Fakultät oder beim Rechtsdienst der Uni Bern verstanden haben, was dieser „Nachteilsausgleich“ wirklich ist.

Die Bank gewinnt immer…

… oder als ich einen Hurrkan kaufte.

Jeder in meiner Situation muss sich darum kümmern, seine Altersvorsorge abzusichern. Kürzlich ist mir eine Dummheit passiert, die ich zum Glück inzwischen korrigiert habe. So gehört sie jetzt zu den Räubergeschichten, die ich hoffentlich irgendwann meinen Enkeln erzählen darf.

Ich kaufte vor ein paar Monaten der SwissRe zwei Anteile an einem 134 Milliarden-Dollar-Hurrikan ab. Aufgelistet war die Transkation als Kauf einer Anleihe mit einem auffällig guten Zins. Ich sagte mir, die SwissRe sei ein guter Schuldner, also lasse ich mich darauf ein. Allerdings war mir klar, dass bei dem hohen Zins irgendwo ein Haken sein muss, den ich in den üblichen Informationsportalen nicht zu sehen bekomme.

Hoher Zins = hohes Risiko, ich halte mich an das Sprichwort und will mehr wissen. Also grabe ich weiter, bis ich schliesslich das Vertragsdokument auf der website von SwissRe finde. Ich hatte nicht zwei Obligationen gekauft, sondern einen Liefervertrag über einen Hurrikan, mit Vertragsstrafe, für den Fall, dass SwissRe nicht bis 2045 einen anständigen Hurrikan herbeischaffen sollte!

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20 Jahre

Fast auf die Stunde ist es zwanzig Jahre her — 20 lange, harte Jahre, dass ich auf der Autobahn zwischen Bern und Thun mit brutaler Wucht in voller Fahrt von hinten gerammt wurde. Für andere sind 20 Jahre ein halbes Leben und sie können sich vielleicht nicht vorstellen, dass einer 20 Jahre hartnäckig dranbleibt, die haarsträubensten Probleme löst, seine Vision von der eigenen Zukunft nicht aus den Augen verliert. Für mich sind es 20 Jahre, die wie gar nicht wahr sind, die an mir vorbeigangen sind, als sei gar nicht wirklich Zeit verstrichen.

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Wo er recht hat,


da hat der Brechbühl halt recht. Schade, dass meine staatlich besoldeten Gegner jedesmal masochistisch darauf warten, bis man es ihnen zwangsweise den Hals hinunterwürgt. Dieses mal hat es über alles gerechnet fast drei Jahre gedauert.

Letzten Freitag bekam ich den Bescheid der Rekurskommission der Universität Bern. Darin ging es unter anderen Fragen um die Anpassung der Studien- und Prüfungssituation an meine Behinderung. Erfreulich für mich und für die behinderten, die nach mir an die Uni Bern kommen: Die Rekurskommission befand, das eidgenössische Behindertengleichstellungsgesetz solle an der Universität Bern analog angewendet werden, wie an den ETH und in den Volksschulen, wie überall wo der Bund das Sagen hat. Die Rechtsprechung beseitigt damit die Lücke in der Gesetzgebung, die ich früher im Blog beschrieben hatte.

Insbesondere verfügte die Rekurskommission eine angemessene Anpassung der Studiendauer. Auch müssen die Abschlussprüfungen in ihrer Form der Art meiner Behinderung angepasst werden.

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Volles Rohr!


Richtig loslegen, das Lernen geniessen, mit Aufmerksamkeit und Sorgfalt am Thema bleiben, dieses unglaubliche Gefühl durfte ich vor zwei Wochen erleben, als ich mit der ETH im Feldkurs in Mykologie war.

Der Professor hatte uns in Valbella einquartiert, direkt am See. Ich musste Vorkehrungen treffen, um eine solche anstrengende Woche weit ab von zuhause durchzustehen. Im voraus informierte ich den Leiter der Exkursion über meine gesundheitlichen Einschränkungen und welche Anpassungen notwendig sein würden, damit ich erfolgreich mitmachen konnte. Ich bekam postwendend die Antwort, man täte mir ein separates Zimmer am Ende des Ganges zuweisen und ich könnte mich jederzeit zurückziehen und ausruhen, wenn das nötig wäre.

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Behindertengleichstellung an der Uni Bern.

23. April 2013 2 Kommentare

Die Universität Bern unterhält eine website übertitelt mit „Studium und Behinderung“. Mit einem ganzen Chratten voll von Wegleitungen und Formularen gibt sich die als Kontaktperson genannte Dorit Fankhauser als zuständig. Am 28. Juli 2011 nahm ich erstmals mit ihr Kontakt auf. Inzwischen hat sich die ganze Angelegenheit als Blendwerk herausgestellt. Frau Fankhauser diffamierte mich umgehend, am selben Tag noch, bei der Chefin der Immatrikulationsdienste — heimlich, hinter meinem Rücken, schriftlich, per email. Zu keinem Zeitpunkt hat Dorit Fankhauser irgendetwas nützliches in meiner Sache unternommen. Dass das Rektorat keine reglementarische Entscheidungskompetenz in Sachen Behindertengleichstellung hat, ist ein weiteres Manko. Mit dem Behindertengleichstellungsgesetz wurden 2004 im schweizerischen Bildungsrecht Vorschriften zum „Nachteilsausgleich“ eingeführt. In der Bundesverfassung Art. 8, Abs. 2 steht das Verbot der Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung, etc. Das wird vom Behindertengleichstellungsgesetz spezifiziert. Weiterlesen …

Andere Zeiten.

20. Juli 2011 2 Kommentare

von Jürg Brechbühl, Bern, 20. Juli 2011

Von meiner ersten Alpenexkursion in jungen Jahren liegt schon länger ein Bild vom Juli 1987 hier im Blog herum. Dieser Zufall hilft mir, ein paar Erinnerungen zu vergleichen. Auf der Photo bin ich nur grad ein Jahr älter als meine Kommilitonen von heute. Die waren 1987 noch nicht einmal hinter dem Mond hervorgekommen! Wir sahen damals wesentlich älter aus. Unsere 23-jährigen Gesichter sind so wie heute bei den 27-jährigen. Ich nehme an, das sei weil wir täglich draussen in Wind und Wetter waren. Bus und Tram waren damals Luxus, den sich Studenten nicht leisten konnten. Heute ist eine einzige Bachelorstudentin mit dem Velo unterwegs, damals war es jeder von uns.

Jürg, jung und buschper, mit Kollegen 1987 auf der Schynigen Platte

Beim Betrachten dieser Photo habe ich mich gefragt, wie wir damals mit Konflikten umgegangen sind. Und im besonderen: Was wäre damals passiert, wenn ein Professor oder einer der Exkursionsleiter sich gewagt hätte, einen einzelnen und dazu noch behinderten Studenten herauszupflücken und aus einer Lehrveranstaltung zu mobben? Weiterlesen …

Der Held der Woche.

Vor einer Woche befreite der 46-jährige Aargauer Spengler Christian Kast zwei Kinder aus den Klauen unseres stalinistischen Kinderversorgungsapparates. Er verfrachtete die beiden Mädchen zusammen mit seiner Ehefrau und deren Mutter ins Flugzeug nach den Philippinen. So ich richtig kombiniere, ist das eine Kind sein eigenes, das ältere eher aus einer früheren Beziehung seiner Frau.

Christian Kast hat sich ohne zu unterscheiden voll eingesetzt, Verantwortung wahrgenommen, viel riskiert und gewonnen. Er hat vorausschauend geplant, seine beschränkten Ressourcen respektiert, geopfert, gekämpft und gesiegt, so wie das richtige Männer tun. Wir können uns Schweizern nur wünschen, dass da noch viele solche kommen. Für mich ist er ein Held.

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Bescheid sollte man wissen!

Es gibt erstaunlich viele Schweizer, die nicht wirklich wissen, was eine Vertrag ist und was eine Verfügung. Dann gibt es noch mehr Schweizerfirmen, die so tun als hätten sie noch nie gehört, was eine Verfügung ist oder ein Vertrag. Sie vernebeln das grundlegenste Recht und verkaufen ihre Kunden für dumm. Zu dem Zweck gibt es speziell geschulte Mitarbeiter in „call centers“ und Kundendiensten. Man nennt das „neppen“, wenn eine Firma ständig auslotet, wo die Grenze ist, für wie blöd man die Kunden eigentlich verkaufen kann. Über eine solche Anstandsattacke will ich morgen in diesem Blog schreiben.

Ich gebe jetzt einen Crashkurs in Sachen „was ist ein Vertrag“ und „was ist eine Verfügung“. Die juristisch geschulten sollen mich ja nicht auslachen. Für viele Leute ist das elementarste nicht klar. Ein Vertrag ist eine gegenseitige freiwillige Willensäusserung zwischen zwei privaten Personen. Ein Verfügung ist die Willensäusserung des öffentlichen Wesens über einen Privaten (oder seine Dinge) ohne dessen freien Willen.

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Neue Namen mehr als Heu.

Das folgende ist ein Erfahrungsbericht, für Leute, die Möbel, Regale, Schränke nach Mass kaufen möchten und online auf die deutsche Firma „hem – Design made easy“ gestossen sind. Diese Firma hatte in drei Jahren drei verschiedene Namen, zwei Postadressen, drei Eigentümer.

Anfangs hiess sie Massivkonzept.ch und war in Hamburg zuhause. Dann hiess sie „fab Designed by you“ und zog von Hamburg nach Berlin. Jetzt mit neuem Personal, neuen Büros in Berlin, heisst die Firma eben „hem“. Die Möbel werden mit Hilfe eines online Formulares nach Mass auf Kundenbestellung hergestellt. Sie nennen dieses interaktive Formular einen „Konfigurator“.

Was mir den Nuggi aus dem Maul jagt, ist folgendes: Im September bestellte und bezahlte ich bei „fab DBY“ einen Schrank, den ich im Dezember von „hem“ geliefert bekam. Bestellt und bezahlt hatte ich ein Möbel komplett aus Massivholz. Geliefert bekam ich eine Art Verbund: Seitenwände und Tablare aus Massivholz, die Töri und Schubladenfronten aus schlecht verarbeitetem furniertem MDF. Meine Reklamation wird mit dreisten Lügen abgefertigt.

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